Luxemburg: Unfinished Business
Friday, May 1, 2009 at 10:58AM 
Ich wollte wieder einmal in die Pfalz. Diesmal mit der Familie, tagsüber auf den zahlreichen Trails knallhart biken, abends in der Natur relaxen. No TV, no phone! Daraus wurde ... Luxemburg!
Leider haben wir es versäumt, Freitag Abend das spontan ausgesuchte Ziel anzusteuern und mussten nach etwa 100 gefahrenen Kilometern wieder die Heimreise antreten, weil wir alles dabei hatten - nur nicht die Service-Schlüssel unseres Wohnmobils! Somit war Peter Förster nutzlos, die Gemüter entsprechend erhitzt und wir alle doch etwas müde. Last Exit Knapsack eben. Back home.
Samstag früh haben wir uns dann doch auf den Weg gemacht, allerdings nicht in die Pfalz, sondern nach Echternach, Luxemburg. Wir dachten, wir sparen uns dadurch anderthalb Stunden Fahrzeit. Es kam jedoch anders.
Samstag war eindeutig ein Tag zu spät! Niemand konnte ahnen, dass sich die NRW-Verkehrspaschas entschlossen hatten, unser Wochenende und das von zigtausend anderen Leuten komplett kaputt zu machen. Und zwar richtig kaputt.
NRWs berühmter “Stausee”, die Autobahn A1, war aufgrund Wartungsarbeiten auf der Strecke bis auf eine einzige Spur komplett blockiert. Doch das war bei weitem nicht alles. Im weiteren Verlauf gab es auf der Schnellstrasse B257 um Prüm eine passende Umleitung - und somit einen weiteren Stau. Nach einer abenteuerlichen Fahrt, die viel Nerven und Zeit gekostet hat, waren wir nach etwa 5 Stunden endlich am Ziel.
Derweil nahm das Kontrastprogramm seinen eigenwilligen Lauf: Während der ganzen Fahrt hatten wir zu hören bekommen, wie toll die Weekend-Wetteraussichten in Deutschland seien, überall nur Sonnenschein und warme Temperaturen. Allerdings sprach meiner sorgenvoller Blick nach draussen eine deutlich andere Sprache.
Während ich vom Beifahrersitz aus die schwarzen Wolken beobachtete und alle 5 Minuten die neuesten Wetterprognosen auf's Handy lud, schien es mir, dass wir von allen Optionen die falscheste gezogen haben. Luxemburg Regen, Deutschland Sonne, wie im Fussball.
Mit Echternach kann man nichts falsch machen. Alles ist gut organisiert, übersichtlich. Wir haben schnell einen guten Campingplatz gefunden und uns ruck zuck auf dem zugeteilten Platz breit gemacht. Kaum geschehen, waren die Wolken weg und die Sonne kam raus. Was für eine Wende!
Ohne unnötig noch mehr Zeit verlieren und mich auf mein verderbliches Glück verlassen zu müssen, habe ich mich gleich auf die Socken gemacht: GPS-Tracks auf's Vista, schnell auf den Sattel und ab auf den Trail. Ich wollte unbedingt vor dem ersten Tropfen unterwegs sein, weil ich beim Regen nicht losfahren kann.
Die leichte Erkältung, die ich seit Tagen mit mir herumschleppte, machte sich bei dem ersten Anstieg bemerkbar. Die Auffahrt wurde immer steiler, die Umgebung schöner, der Wald dichter und ich - jetzt deutlich schwitzend - happier.
Dann der erste Aussichtspunkt. Schon nach dem ersten Blick auf das nun in die Ferne gerückte Echternach war all der Schmerz vergessen. Nach der harten Pflicht, war nun Abfahrtspaß angesagt. Bereits nach einigen Minuten auf dem Trail, während ich die steilen, aber trockenen Steintreppen runterdüste - übrigens eine meiner Spezialitäten - war es mir klar: Luxemburg war doch die richtige Option!

Ein leiser Dank ging an dieser Stelle an meinen Bikekumpel Jörg für die akribisch zusammengestellte Route und seine GPS-Tracks sowie Empfehlungen, die mir diesen Spaß erst möglich gemacht haben.
Die erste Treppe war gut platziert. Gleich am Anfang einer langen Tour, dient sie mitunter als Test für die Fahrtechnik, die vorhanden sein muss, um diese Runde ohne abzusteigen durchfahren zu können. Gewiss ist die Strecke auch ohne diese Künste machbar, wird dann aber eher einer aufwändigen Wanderung ähneln als einer Enduro-Fahrt mit 100% Spaßfaktor.
Nach der ersten langen Treppe, traf ich unten einige Biker aus der Umgebung, die die Route in umgekehrter Richtung fuhren. Unsere kurze, freundliche Unterhaltung beseitigte alle meiner Zweifel über die Fahrtrichtung, on top gab es einige hilfreiche Tipps von den Jungs für den Rollercoaster-Ride.
Was anschliessend folgte, war der Traum eines jeden Bikers: Laubbedeckte steinige Singletrails, knackige Anstiege, technische Abfahrten und dazu eine Märchenwald-Landschaft mit Urfelsen. Brut zéro. Genau mein Gusto.

Während ich fuhr, habe ich die besten Streckenabschnitte mit der Helmkamera aufgenommen. Nach dem zweiten Aussichtspunkt ging's steil bergab zur Felsenkette mit lauter skurrilen Namen wie z.B. Goldkaul, Goldfralay, Eulenburg, Schelmelay, Ramelay u.a.
Müllerthal Website fasst die Wanderwege so zusammen:
Die Region Müllerthal - Kleine Luxemburger Schweiz - Untersauer ist ein Natur-Erlebnispark für Wanderer: Die Sandsteinfelsen laden an vielen Stellen zum sportlichen und teilweise abenteuerlichen Aufstieg ein. Gleichzeitig ist die Region aber auch ein Ort der Entspannung: Die Felsen bieten herausragende Aussichten und in den Wald- und Wiesenlandschaften sowie an den zahlreichen Bachläufen findet man zahlreiche Gelegenheiten zum Ausruhen und Durchatmen.
Auf Zweirädern ist jedoch nicht viel mit Ausruhen und Durchatmen!
Das ständige Auf und Ab hat sehr viel Kraft gekostet, dazu meine Erkältung, mir wurde etwas schwindlig. Als ich in den schmalen Felsen einige Stunts mit der Kamera aufnehmen wollte, habe ich versehentlich den falschen Knopf gedrückt (es ist immer dieser falscher Knopf!) und auf einmal waren alle Aufnahmen und damit meine gute Laune komplett weg.
Kennzeichnend für diese Tragödie ist der schicksalhafte Konflikt der Hauptfigur. Ihre Situation verschlechtert sich ab dem Punkt, an dem die Katastrophe eintritt.
Ich wollte mich mit diesem Schicksal aber nicht abfinden. Nach zwei kaloriereichen RideShots fühlte ich mich wieder fit genug, den Trail so lange rückwarts zu fahren, bis es wieder spektulär genug war, alles erneut zu filmen. Da mir dies reibungslos glückte, verbesserte sich meine Stimmung wieder erheblich. Dazu hat sich die Sonne bemerkbar gemacht - herrlich!
Bis auf die Biker am Anfang des Trails, war ich bis zu diesem Zeitpunkt keinem einzigen Menschen auf dem Müllerthal-Trail begegnet. Umso überraschender war es für ich, als ich anschliessend auf eine Klettererkolonie stiess. Alle Felsenabschnitte, egal wie hoch, wie steil, wie kachiert, waren mit vielen bunten Menschen belegt, mit zahlreichen bunten Seilen, Karabinerhaken und Puder. Kleine “gesicherte” Kinder spielten an den Rändern der Felsen. Vertigo ein Fremdwort hier.

Auf der Weiterfahrt kam der nächste Schlag: Die Akkus meines GPS-Geräts waren unerklärlicherweise leer, und dank der übereilten Vorbereitung hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben keine Ersatzakkus dabei. Tja. Pech. Fuck!
Die Strecken sind zwar alle gut beschriftet, aber welcher Weg war der richtige? Ohne den richtigen Track unterwegs auf zigmillionen Ameisenwegen? Ähm, nein, danke!
Ich bin bei der nächsten Gelegenheit schnell runter ins Tal gefahren, zur Tanke, habe Batterien gekauft und bin wieder rauf, ein weiteres Stück der Strecke gefahren, aber nach etwa 30 km war dann doch Schluss für diesen Tag.
Der sich anschliessende Abend in Echternach war ein Mix aus Sightseeing und 1A-Gourmet-Essen. Die kleine Stadt, erstaunlich lebendig für einen Samstag Abend in der Provinz, zeigte sich von ihrer sommerlichsten Seite. Uli und die Kids haben ein herrliches Restaurant ausfindig gemacht, San Lorenzo, ein Geheimtipp eines Echternachers. Das leckere Essen mit französischem Wein war der beste Abschluss eines Tages seit langem.

Luxemburg. Für mich zwar weiterhin unfinished business, aber eines der besten Sorte! Fortsetzung folgt bestimmt und bestimmt bald.
Mikkael |
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