Medien und Fussball
Friday, May 18, 2012 at 9:19AM |
Mikkael Es scheint so zu sein, dass nicht nur Hertha BSC sondern ein Großteil der Medien aus den Ereignissen vom Dienstag Abend Kapital schlagen möchten. Warum eigentlich? Viele der Autoren haben weder das Spiel live angeschaut, noch waren sie tatsächlich vor Ort, wie einige davon bereits zugeben.
Hier wird mit zweierlei Maß gemessen und Gewalt im Stadion in den gleichen Topf geworfen wie der Freudentaumel der Fortuna-Fans. Die andauernden Wutausbrüche der Berliner-Fans, die Bangelos die sie auf das Spielfeld geworfen haben, haben einzig und alleine dazu geführt, dass so lange nachgespielt werden musste. Ausserdem dachte jeder im Stadion, mich eingeschlossen, dass das Spiel zu diesem Zeitpunkt endlich abgepfiffen war. Kein Hertha-Spieler wurde weder von irgendeinem Fan angegriffen, noch war es für die bedrohlich, die auf dem Platz standen (ausgenommen in der Hertha-Ecke samt mit Bengalo-Dusche wo anstatt Sicherheitskräfte ausschliesslich Polizisten standen). Sobald es feststand, dass es noch 90 Sekunden zu spielen gab, räumten die die chaotischen "Besatzer" schnell den Platz frei.
Dies mit den Ereignissen in Dresden, Rostock, Karlsruhe etc zu vergleichen, Düsseldorf als ein Ort des Chaos darzustellen, ist ungeheuerlich. Außerdem ist es eine Schande für Hertha BSC, die während der ganzen Saison nichts auf dem Platz gebracht haben, sich nun mit ungeheuerlicheren Kommentaren über "Todesangst und Blutbad" an die 90-Sekunden festzubeißen. Das allein zeigt, dass sie nichts unversucht lassen wollen, damit die eigentliche sportliche Misere doch mit fragwürdigen Mitteln abgewendet bleibt.
Dass nun gegen 4 Hertha-Spieler vom DFB ermittelt wird, dass ein Schiedsrichter gegen einen Hertha-Spieler Strafanzeige einreicht, dass der gleiche Schiedsrichter dieses Spiel doch ohne Bedenken fortgesetzt hatte (nicht aufgrund einer angeblichen Bitte der Polizei) und dass ein Reisezug von Hertha-Fans demoliert wurde und dass Hertha-Fans zum wiederholten mal ihren schlechten Ruf unter Beweis stellten, sprechen eine andere Sprache. Die Unterbrechung dauerte so lange, nicht weil der Platz nicht zur Verfügung stand, sondern weil die Hertha-Spieler nicht aus der Kabine gekommen sind.
Natürlich macht all das nicht wett, was geschehen ist und nimmt Fortuna sowie Stadt Düsseldorf nicht aus der Verantwortung. Nein, es war absolut nicht richtig was da vorkam, diese Chaoten haben enorme Schäden eingerichtet und das soll hart bestraft werden. Man sollte nur klarstellen, worum es hier geht. Geht es hier um die Hertha zu retten oder um Düsseldorf zu bestrafen? Sportlich ist Hertha abgestiegen, das ist Fakt. Wieviele 90 Sekunden, wie viele Spiele brauchen sie denn noch?
Jetzt Düsseldorf und Fortuna als Hochburg der gewalttätigen Fankrawallen darzustellen, den Verein und die Stadt stellvertretend in Verruf zu bringen, ist in allen Belangen ein Fehlgriff. Ich hätte es mir gewünscht, dass die Medien, so kritisch und selbstbewusst wie sie sind, anstatt den Richter zu spielen, einfach auf die deutlichen Unterschiede hinweisen würden. Nein, anstatt dessen, wirft man alles in den gleichen Topf, koste es was es wolle, dazu die Forderung nach einem Wiederholungsspiel. Ist das nun das allerletzte Heilmittel gegen das was passiert ist? Alleine die amigohaften Bild-Schlagzeilen der letzten Jahren waren eher Gewalt-fördernd als -verhindernd.
Schade, dass Fussball und die Fussball-Fans dieser Sensationslust immer die nötigen Vorlagen liefern, damit den Sensationsmedien einen sicheren Spielball erhalten bleibt.
Die Medien stürmen doch virtuell dauernd auf den Platz, in die Kabine, attackieren öffentlich Fans, Spieler, Vereine, Schiedsrichter, DFB-Präsidenten und kommen selbst immer unbestraft davon. Bei diesem Willkür, muss man die Frage stellen dürfen, wer hier die Maßstäbe setzt und wer sie tatsächlich umsetzt? Es soll endlich irgendwann mal Schluss sein, mit dieser fiesen Stimmungsmache auf Kosten der Fussball-Fans.
Ich denke, DFB wird sportlich hier die richtige Entscheidung treffen, auch wenn sie den Jungs in den Zeitungen nicht gefallen wird. Sie werden morgen und übermorgen weiterschreiben, bis es irgendwann mal keinen interessiert. Dann sind sie wieder die "Freunde" der Fans, die sie niedermachen. So läuft es eben im Fußball.
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